Forschung
Forschungsstandorte in Deutschland
Der Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges und Gewalt gegen Juden während des Sommers 1941 im östlichen Polen (Halle Wittenberg)
Das Forschungsprojekt untersucht die Welle gegen Juden gerichteter Gewalt in den ersten Wochen nach dem Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges am 22. Juni 1941 in den von der Wehrmacht neu besetzten Gebieten des östlichen Polens. Die Gewalt entstand aus mehreren Kontexten und äußerte sich in unterschiedlichen Formen. Dazu gehörten die deutschen „Reinigungs-“ oder „Sicherungsoperationen“ – meist in der Form von Massenexekutionen –, die Initiierung von Pogromen durch einheimische nationalistische Kräfte sowie spontane judenfeindliche Ausschreitungen. Das Projekt fragt nach den den Ursachen der Gewalt in den verschiedenen Kontexten und nach ihrem Zusammenhang. Der Schwerpunkt der Quellenforschung liegt auf den mehrheitlich ukrainischen Gebieten Ostgalizien und Wolhynien, während das Geschehen in den anderen Regionen Ostpolens vergleichend einbezogen wird. In methodischer Hinsicht legt die Studie ein großes Gewicht auf die Untersuchung der Gewaltereignisse selbst. Insbesondere die Pogrome enthielten meist auch symbolische Dimensionen, die Auskunft über Motivationen und Selbstinterpretationen der Täter zu geben vermögen. Im Sinne der neueren Kulturgeschichte und damit in einer gegenüber den bisherigen Forschungen innovativen Weise werden sie als lesbare Ereignisse betrachtet.Aktualisiert (Dienstag, den 30. November 1999 um 00:00 Uhr) Geschrieben von: DAU Montag, den 14. September 2009 um 20:32 Uhr
Der ukrainische Dichter Taras Ševčenko (Leipzig)
Von 2009 bis 2011 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das literaturwissenschaftlich-kulturwissenschaftliche Projekt „Der ukrainische Dichter Taras Ševčenko als lieu de mémoire von 1960 bis heute“. Projektleiter ist Prof. Dr. Stefan Troebst (GWZO sowie Institut für Slavistik und Global and European Studies Institute der Universität Leipzig), die Projektkoordination und -bearbeitung übernimmt Jenny Alwart, M.A. (GWZO, Research Academy Leipzig).
Der als „Vater der Nation“ geltende ukrainische Dichter und Maler Taras Ševčenko (1814-1861) ist ein zentraler lieu de mémoire in der von kontroversen Debatten um die von der sowjetischen Vergangenheit geprägten Erinnerungskultur der Ukraine. Dabei ist Ševčenko eine integrative Figur, auf dessen herausragende Rolle man sich sowohl vor und nach der Unabhängigkeit 1991 als auch in den kulturell unterschiedlich geprägten Teilen des Landes einigen kann. Dieser gesamtukrainische Stellenwert einerseits und Ševčenkos transnationale Funktion in den Kulturbeziehungen v.a. im postsowjetischen Raum andererseits sind unter erinnerungskultureller Fragestellung bisher kaum erforscht worden.
Das Projekt nimmt den Zeitraum von 1960 bis heute in den Blick. Als Materialgrundlage dienen literarische und publizistische Texte über das Leben Ševčenkos sowie wissenschaftlichen Biografien. Ziel ist es, sowohl Umdeutungen der Gestalt nach 1991 als auch Konstanten in der Auslegung nachzugehen. Diente der „revolutionäre Sozialdemokrat“ Ševčenko der sowjetischen Geschichtspolitik als Symbol für die kulturelle Zusammengehörigkeit Russlands und der Ukraine, so wird nach dem Ende der Sowjetunion hauptsächlich seine Bedeutung für die Erlangung der staatlichen Unabhängigkeit des Landes betont. Der Übergang von einem sowjetisch geprägten in einen national verstandenen lieu de mémoire „Ševčenko“ ist jedoch, so die Arbeitshypothese des Projekts, weniger tiefgreifend, als häufig betont wird. Kontinuitäten lassen sich zum Beispiel in der Neuauflage bereits in der UdSSR publizierter und nach 1991 gering veränderter Texte beobachten, sind aber auch auf personeller und institutioneller Ebene zu verzeichnen, das heißt in der ungebrochenen Anerkennung von Autoren und Wissenschaftlern. Zudem muss berücksichtigt werden, dass nationsbezogene Deutungen der Dichtergestalt zuvor schon durch die Generation der sogenannten „Sechziger“ aktiv genutzt wurden, um auf die Russifizierung der ukrainischen Kultur und Sprache aufmerksam zu machen. Hierauf konnte Anfang der 1990er Jahre zurückgegriffen werden. Neu in den 1990er Jahren ist die Pluralisierung der Ševčenko-Vorstellungen. Er wird als „Genie des ukrainischen Volkes“, ebenso wie als „Pate des ukrainischen Nationalismus“ oder als „Diktator“ gesehen. Ševčenko gelte als Kommunist, Nationalist, Christ, Atheist, Dissident und Anarchist, so der ukrainische Gegenwartsschriftsteller Jurij Andruchovyč, womit er diesen Mix der miteinander konkurrierenden Ševčenko-Bilder ironisch auf den Punkt bringt.
Folgende zentrale Aktivitäten des Vorhabens, das in enger Kooperation mit dem Forschungsprojekt „Zwischen religiöser Tradition, kommunistischer Prägung und kultureller Umwertung: Transnationalität in den Erinnerungskulturen Ostmitteleuropas seit 1989“ am GWZO steht, sind geplant: 1) ein internationaler Workshop mit dem Titel „Competing Models of Remembrance: Taras Ševčenko in Literature and the Arts in Ukrainian Discourses about the Past since 1991“, 2) die Herausgabe eines Sammelbandes, der sich aus den Beiträgen des Workshops sowie einigen zusätzlichen ausgewählten Aufsätzen zusammensetzen soll und 3) die Erstellung einer Monografie mit den Ergebnissen des Projekts.
| Kontakt: | Jenny Alwart M. A. (0341) 97-35 574 |
| URL: | http://www.uni-leipzig.de/gwzo |
Aktualisiert (Dienstag, den 30. November 1999 um 00:00 Uhr) Geschrieben von: DAU Montag, den 14. September 2009 um 20:30 Uhr



